Inv.nr. 700.0114
Platzmal III (1970)
Serigrafie, Auflage 8/10, signiert rechts unten Hajek 70/22, bez. links unten 8/10 Platzmal III (Bleistift)
65 x 50 cm
Bei der vorliegenden Serigrafie handelt es sich um eine Verkürzung des Motivs der Serie Platzmalvariante I – V« (Inv.nr. 700.0102 – 0106) und um eine weitere Variation des Blattes »Platzmalanfang I« (Inv.nr. 700.0107). Bei den drei Blättern »Platzmal III – V« (Inv.nr. 700.0114 – 0116) handelt es sich um einen weiteren Zwischenschritt auf dem Weg zu der Serie der »Platzmalvarianten«, der ein weiterer Farbgang hinzugefügt wurde im Vergleich zu der Serie der »Platzmalanfänge«. Allerdings hat Hajek das Blatt um 45 Grad nach links gedreht, so dass ein komplett anderer Eindruck im Vergleich zu den übrigen Blättern entsteht. Im Unterschied zu den »Platzmalvarianten« hat Hajek auch hier die rahmende Struktur weg gelassen, also ausschließlich den durchkomponierten Platz dargestellt, und sich nun auf die drei Farben des Platzes in der Widergabe beschränkt, wobei im Vergleich zu den »Platzmalvarianten« noch die unregelmäßige Rasterstruktur der kleinen Hoch- und Querrechtecke fehlt. Eine klare Rahmenkante gibt es aufgrund der Einschnürungen und Überschneidungen nicht, die die rahmende Struktur auf den Blättern »Platzmalvariante« in Bezug auf die Platzgestaltung vorgenommen hat. Alle Bilder dieser Serie sind auf reinweißem Papier gedruckt, wodurch die Farben leuchten.
Das Motiv ist aus der Mitte deutlich nach oben gerückt und in eine schmale, vertikale Zone in der linken oberen Ecke und eine annähernd hochrechteckige, einen Großteil des Blattes einnehmende Zone unterteilt. Die schmale Zone bildet ein fast geschlossenes Hochrechteck, das durch schräg nach rechts geneigte Streifen untergliedert wird. In den Ecken setzt kein weiterer Streifen an, der dann angeschnitten wäre; vielmehr sind diese in einer Farbe gehalten, wodurch trapezoide Formen entstehen. Von oben nach unten folgt auf einen gelben ein weißer Streifen, der die geschlossene Form aufbricht, weil er nach links übergeht in das Weiß des Papiers. Es schließt sich wiederum ein gelber Streifen an, dem ein schwarzer folgt. Als Abschluss fügt sich erneut eine gelbe Form an, in Erweiterung des Streifens die Ecke ausfüllend.
Dieses System der Streifen entwickelt sich in der Großform nach rechts hin weiter bzw. wird in ihr aufgenommen in einem lockeren Spiel von Positiv- und Negativform. Außerdem macht Hajek durch das Anfügen eines weiteren Streifens an der rechten unteren Ecke des kleinen Hochrechtecks deutlich, wie er den erweiterten Streifen – nämlich als solchen – gelesen haben möchte. Die sich nach rechts entwickelnden Streifen am linken Rand der Großform verlaufen in einem etwas längeren Streifen zunächst nach unten – sie sind also nach links geneigt –, um dann nach oben abzuknicken. Rechts des Knicks nehmen sie die Rechteckform wieder auf, da sie etwa so lang sind wie die ihr einbeschriebenen, allerdings ist ihre Neigung etwas flacher.
Rechts unterhalb der unteren rechten Kante des Hochrechtecks ist ein gelber, abknickender Streifen zu sehen, von dem sich nach oben hin das System abknickender Streifen entwickelt. Auf ihn folgt ein weißer Streifen, an den sich mit einem erneuten Neigungswechsel nach rechts ein weiterer kurzer gelber Streifen – rechts des weißen Streifens – anschließt. An den schwarzen Streifen links fügt sich ein gelber Streifen in der Großform an, auf den ein roter Streifen folgt, der sich nach unten hin dadurch erweitert, dass seine obere Kante weiter nach oben gezogen wurde. Er knickt unten an der Kante des angrenzenden gelben Streifens, oben nach einer längeren Strecke ab und endet in einer Waagerechten. Diese ist nicht bis an seinen oberen Rand herangeführt, sondern endet kurz davor und wird in eine Waagerechte überführt, die fortgesetzt wird von der waagerechten Kante einer sich zum rechten und oberen Rand hin entwickelnden trapezoiden Form. Der rote Streifen wird von einem schwarzen Streifen abgelöst, dessen Bereich oberhalb des Knicks auf dieselbe Höhe gezogen wird, wie der kurze gelbe Streifen, der zuvor beschrieben wurde, der sich an die weiße, abgeknickte Fläche anschließt. Rechts des schwarzen Streifens, seine senkrechte Kante aufnehmend, schließt sich die zuvor erwähnte trapezoide Form in gelb an, die die Neigung des kurzen, nach rechts geneigten Streifens rechts der Zone abknickender Streifen aufnimmt.
Der schwarze Streifen, von dem zuvor die Rede war, hat zugleich rahmende Funktion, betrachtet man ihn in Zusammenhang mit dem zweiten schwarzen Streifen, der in der unteren Hälfte der Großform ist und im linken Drittel überlagert wird von dem ersten abknickenden gelben Streifen, der am unteren Ende der Reihung abknickender Streifen steht. Er vermittelt außerdem zur rechten Motivkante, denn er wird in einer Linie bis nach rechts durchgeführt. Allerdings trifft er dort nur mit der oberen Kante auf, die als schmaler vertikaler Streifen ausgebildet ist. Die Senkrechte wird weiter zur Blattmitte hin aufgenommen, zwischen beiden senkrechten Abschlüssen vermittelt eine Waagerechte, so dass eine rechtwinklige Auskerbung entsteht. Er ist doppelt so breit wie die übrigen Streifen, was ihn, zusammen mit seiner Farbe, zu einem wichtigen Gestaltungsmerkmal des Blattes macht. Darüber schließt eine weitere trapezoide Form in gelb an, deren oberer waagerechter Abschluss mit der Waagerechten der trapezoiden Form an der oberen Blattkante korrespondiert.
Unterhalb des breiten schwarzen Streifens ist zunächst ein weißer Streifen, an den sich ein roter Streifen anschließt. Er nimmt die Einkerbung, die Hajek bei dem breiten schwarzen Streifen vorgenommen hat, in einer seiner Breite entsprechenden Form auf. Den Abschluss des Motivs bildet, daran anschließend, ein gelbes Dreieck, dessen untere Kante in Verlängerung eine Ecke bildet mit der gedachten senkrechten Linie, die durch die Verlängerung der rechten Kante der trapezoiden Form am oberen Blattrand entsteht. Seine linke Kante trifft in Verlängerung auf die Bruchkante, an der das kleine Hochrechteck an die Großform anstößt.
Dieses Blatt, wie auch die vorangehenden (Inv.nr. 700.0101 – 0113) und die folgenden (Inv.nr. 700.0115 und 700.0116) sind der Ausstellung »Platzmal« auf dem Kleinen Schlossplatz Stuttgart und der Galerie der Stadt Stuttgart zuzuordnen, die vom 24. Juli bis 30. September 1969 zu sehen war. In diesem Zusammenhang stellen die vollfarbigen Flächen rund um die Farbfassung im Zentrum die an den Schlossplatz anschließenden Gebäude dar, während die quadratischen und rechteckigen Flächen die Positionen der Skulpturen bezeichnen, die während der knapp zwei Monate währenden Präsentation den Schlossplatz möblierten. Wie bereits 1966 anlässlich der Finissage in der (op) art-Galerie in Esslingen hatte Hajek eine Flugstaffel mobilisieren können, um damit den Luftraum zum Kunstraum zu erklären. Auf den für die Finissage zusätzlich entworfenen Flugblättern hatte Hajek diese Farbraumgestaltung über die Auflistung seiner Gedanken zu den »Farbwegen« ihnen zugeordnet, so dass auch diese Ausstellung im Außenraum mit ihrer verhältnismäßig geometrisch-linearen (Farb-)Anordnung ebenfalls den »Farbwegen« zugeordnet werden kann.
Mit seinem Bestreben, den Außenraum, insbesondere den Himmel, nichtmilitärisch und vor allem zweckfrei ästhetisch zu okkupieren, rückt Hajek an Otto Piene und dessen Überlegungen wie auch Aktionen – insbesondere an seine Sky Art, die zwischen 1968 und 1972 in der Nachfolge der »Lichtballette« entstand – heran. Schon anlässlich der ZERO-Feste 1961 und 1962 ließen Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker in Düsseldorf Luftballons steigen und strahlten diese, ebenso wie Silberfolien am Nachthimmel an. Allerdings fehlt bei Hajek im Gegensatz zu den ZERO-Künstlern die zweckfreie Unbeschwertheit, mit denen sich die Düsseldorfer und ihr neues Selbstgefühl feierten, mit der ein Kunstwerk nicht über den Moment hinaus intendiert war. Im Gegensatz zu den ZERO-Künstlern ist bei Hajek von Anfang an ein pädagogischer Auftrag spürbar, will er mit seinen Kunstwerken im Außenraum etwas bewirken, das über den Augenblick hinaus wirkt, und möchte mit ihnen nicht nur den Kunstinteressierten erreichen, sondern vor allem den Passanten, dem er mit seinen Kunstwerken »Stolpersteine« zur Erfahrung und Wahrnehmung des Ich in der urbanen Umwelt in den Weg legt.
nFußnote:
Weiterführend vgl. Ausst.Kat. Lübeck 1974, S. 61 – 63 und die Abbildungen in Stulle/Rupps, a.a.O., S. 58 ff.
Ausführlich zu den Lichtballetten und den Sky Events von Otto Piene vgl. Gerbing, Chris: »Mit 12 x 12 Scheinwerfern zum Mond« Die Universalität des Raums in den Lichtballetten und Sky Events von Otto Piene, in: Beuckers, Klaus G. (Hrsg.): Zero-Studien. Aufsätze zur Düsseldorfer Gruppe Zero und ihrem Umkreis. Münster 1997, S. 83–111, hier insbesondere S. 98 ff.