Inv.nr. 700.0064
Briefe des Paulus an die Korinther 26 (1965)
Serigrafie, E.A. I/V, signiert rechts unten Hajek, bez. links unten E.A. I/V (beides mit Bleistift)
35 x 48 cm
Bei dieser querformatigen Serigrafie spielt Hajek mit dem Motiv der Überlagerung. Der Hintergrund ist in vier Streifen unterschiedlicher Höhe abwechselnd in sattem Hellgelb und Mittelbraun gegliedert, die keinen direkten Bezug aufnehmen zu den sie überlagernden Strukturen. Der obere, breitere, mittelbraune Streifen wird nach oben begrenzt durch eine dünne, ebenfalls mittelbraune Linie. Sie macht deutlich, dass Hajek die Streifen nicht akkurat mit dem Lineal, sondern Freihand gemalt hat, denn die Linie setzt nur einmal direkt auf dem Streifen auf. Nach unten ist dieser Streifen nicht begrenzt, sondern schließt direkt an die gelbe Fläche an. Der das Blatt nach unten begrenzende, nun wieder mittelbraune Streifen wird durch übergelagerte Strichstrukturen nach unten begrenzt, während der obere Abschluss mehr noch als bei den übrigen Streifen schwankt.
Die darüber gelagerte Ebene ist in zwei Bereiche unterteilt, die voneinander durch eine vertikale braunschwarze zarte Linie abgetrennt sind. Im linken Bereich sind schriftartige Zeichen in Zeilen bis an die begrenzende Linie herangeführt, die zu einem die gesamte Höhe des Blattes ausfüllenden Hochrechteck gehört. Die Zeichen überlagern die oberen beiden Streifen in beige und, breiter, in mittelbraun. Es schließt sich im unteren Bereich des mittelbraunen Streifens ein eingezogener querrechteckiger, rot umrandeter Kasten an, in dessen Mitte sich ein schwarzbraun umrandetes Quadrat befindet, das über den unteren Rand bis an die untere Bildkante herangeführt wird und von einer fallenden Diagonale halbiert wird. Innerhalb des rot umrandeten Kastens sind dem Quadrat rote Schriftzeichen einbeschrieben, die, in mehreren Zeilen angeordnet, durch eine entgegen der Richtung der Diagonalen verlaufende schräge Kante optisch begrenzt werden. In den so entstehenden dreieckigen Restflächen akzentuieren wenige braunschwarze Schriftzeichen die gelbe, darunter liegende Fläche.
Das Schriftzeichen-Motiv wird am unteren Rand aufgenommen und überlagert die gesamte Breite des schmalen mittelbraunen Streifens, über den sie nach oben in die gelbe Fläche, aber nur im Bereich des quadratischen Kastens ausgreifen. Sie haben außerdem vermittelnde Funktion zu der nahezu ungegliederten schmäleren Rechteckfläche, die rechts an die dicht „beschriebene“ Fläche angrenzt. Sie wird gerahmt von dezenten Linien, die bis an den oberen und unteren Bildrand führen und rechts einen schmalen vertikalen Streifen lassen, aus dem die Streifen des Untergrunds hinausführen. Auch hier arbeitet Hajek mit der Diagonalen, die den Kasten in der gesamten Höhe als steigende Linie teilt und einen kleinen Kasten im rechten oberen Bilddrittel überlagert. Dieser hochrechteckige Kasten ist an drei Seiten mit einer feinen dunklen Linie geschlossen, nach rechts jedoch, den großen Kasten schneidend, bis an den Bildrand geführt und dann offen. Er nimmt das Schriftmotiv auf, allerdings sind hier die Schriftzeichen zu einer feinen linearen Punktstruktur verändert, die insbesondere im Bereich des braunen Untergrund-Streifens zu einer schraffurartigen Melange werden. Auch das Motiv des Querrechtecks greift Hajek in verkleinertem Maßstab erneut auf im unteren Bereich des breiten braunen Balkens. Dort schaffen kleine, Freihand gezeichnete, dunkel gerandete Kästen eine Verbindung zwischen rotem Querrechteck und braunschwarzem Hochrechteck. Eine weitere Verbindung zwischen linker und rechter Bildhälfte stellt Hajek durch eine zweite, darüber liegende Zeile von dunkel gerahmten Kästchen in lockerem Verband her, die zwischen den oberhalb des roten Querrechtecks befindlichen Schriftzeichen und dem kleinen hochrechteckigen, nach rechts offenen Kasten vermitteln, den der letzte kleine Kasten schneidet.
Da der Serigrafie zahlreiche Schriftzeichen einbeschrieben sind, stellt sich insbesondere die Frage, weshalb in der unteren linken Hälfte einige Zeilen doppelt hervorgehoben wurden, indem die Schriftzeichen in roter Farbe ausgeführt und rot gerahmt wurden. Es liegt nahe anzunehmen, dass sich Hajek auf eine Textstelle im Korintherbrief bezieht, die für die Gemeinde von großer Wichtigkeit war. Es könnte sich um 1. Kor. 8, 6 handeln, wo Paulus betont, dass die Christen nur an Gott und Jesus glauben: „,… so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir auf ihn hin; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.“ Dieser Glaube in die Dreifaltigkeit Gottes hebt die Christen in den Augen von Paulus über diejenigen, die im heidnischen Glauben an zahlreiche Götter befangen sind.
Weitere Abzüge dieser Serigrafie befinden sich in der „Mappe für Mama E.A.“, in der „Mappe für Katja E.A.“, sowie signiert in den vier Mappen für R. Vogt. Des weiteren existiert ein signierter Andruck