O. H. Hajek Museum

Werkarchiv

Korintherbrief 25

Briefe des Paulus an die Korinther

Künstlerisches Medium:Druckgrafik

Technik:Serigrafie

Entstehungsjahr:1965

Inv.nr. 700.0063
Briefe des Paulus an die Korinther 25 (1965)
Serigrafie, E.A. I/V, signiert rechts unten Hajek, bez. links unten E.A. I/V (beides mit Bleistift)
35 x 48 cm

Das Querformat des Blattes wird durch quergelagerte Strukturen betont. Augenfällig sind zunächst zwei Querbalken in Oliv, im unteren Drittel hinterlegt durch eine eher offene, scheinbar textile Struktur, in der schwarze und rote Flächen sich abwechseln und durchbrochen werden vom Chamois des Papiers. Der Druckstock ist annähernd blattfüllend.
Drei Zonen sind auszumachen, die durchstoßen werden von einem oliv-schwarzen Strich, der gegen die Leserichtung von rechts oben nach links unten das Blatt in der Diagonalen durchschneidet und im oberen Drittel gekreuzt wird von einer flacheren Diagonalen, die einem flachen, die Breite des Blattes fast ausfüllenden Querrechteck einbeschrieben ist. Die beiden Striche bringen zum einen Dynamik in die Serigrafie, sie fassen aber auch die sich zum Teil überlagernden Zonen optisch zusammen. Im Hintergrund sind zwei olivfarbene Balken mit unregelmäßigen Rändern zu sehen, die überlagert werden von einem System aus Linien und Strichen sowie von farbigen Elementen. In der oberen Hälfte fällt ein den Balken rahmender Kasten auf, der Ruhe vermittelt. In der unteren, bewegteren Hälfte überlagern kräftige Strichstrukturen den zweiten Balken. Sie bekommen optischen Halt durch einen mit zarter roter Linie gerahmten Kasten, der am linken Rand die gesamte Höhe umfasst. An ihn stoßen zwei ebenso feine Linien an, die den unteren Abschluss des Blattes markieren und die Restfläche unterhalb des zweiten Balkens umfassen. Diese roten Linien werden von der bewegten Struktur gänzlich überlagert.
Fast die gesamte obere Hälfte wird ausgefüllt von einem olivfarbenen Balken, der von einer oliv-schwarzen Linie gerahmt und von einer ebensolchen in der Diagonalen von links oben nach rechts unten durchschnitten wird. An Pinselstriche erinnernde schwarz-braune, große Zeichen akzentuieren den Balken, dem das an seinen Rändern aufblitzende Chamois des Papiers von seiner Strenge und Mächtigkeit nimmt. Die entfernt an chinesische Kalligraphie erinnernden großen „Schriftzeichen“ werden am oberen und unteren Rand im Bereich der durch die freihändige Zeichnung des Balkens entstandenen Freiräume von kleineren Strich- und Punktschraffuren akzentuiert, die in Zeilen angeordnet sind, von oliv zu braun-schwarz changieren und über die Ränder des Kastens ausgreifen.
In der unteren Hälfte überlagern sich zwei Bereiche. Im Hintergrund liegt eine mehrfach mit roten Haarlinien unterteilte, rechts und unten durch einen feinen roten Strich begrenzte an ein grobes Webmuster erinnernde Struktur. In rhythmischer Abfolge wechseln sich schwarze, wie mit raschen Pinselstrichen gemalte nach rechts geneigte Quadrate mit roten Flächen ab, die eine kleinteilige Strichstruktur haben. Begrenzt werden diese flächigen Elemente durch leicht nach rechts geneigte, zum Teil mit schwarz abgedunkelte bzw. rote kräftige Striche. Überlagert wird diese aufgelockerte Struktur in ihrer unteren Hälfte durch einen olivfarbenen Balken, dem insbesondere in seinem linken unteren Bereich durch eine gestrichelte Weißhöhung von seiner erdhaften Schwere genommen wird. Seine textile Qualität erhält der Balken durch die ihn überlagernden schwarzen und roten Elemente, die im Bereich des Balkens durch eng gesetzte Längsschraffuren und durch wohl mit spitzem Gegenstand eingekratzte Flächen wie ein Webmuster wirken. In unregelmäßigen Abständen gesetzte, durch den Überdruck in ihrer Farbigkeit abgetönte rote Längsstriche und zarte Kästchen in einem hellen Oliv komplettieren diese Balkenzone.
Die farbigen Ränder werden durch Striche und Strichelungen innerhalb und außerhalb der begrenzenden Linien aufgebrochen, kleinteilige, an Gräser erinnernde Strukturen beleben insbesondere die Randbereiche und tragen dazu bei, dass die Serigrafie trotz harter, begrenzender Linien von einer großen Dynamik geprägt ist.
Die unruhige Blattgestaltung in der unteren Hälfte, insbesondere im Bereich des olivfarbenen Querbalkens, legt nahe, dass der Betrachter gerade auf diesen Bereich sein Augenmerk richten soll. Unruhe kann durch Unstimmigkeiten entstehen, die es tatsächlich in der Gemeinde der Korinther gegeben hat – jedenfalls fordert Paulus die Gemeinde mehrfach nachdrücklich zum Zusammenhalt und zur Einheit auf. Die Wiederholung des olivfarbenen Balkens in der Zone der Gemeinde legt aber auch eine andere Interpretation nahe. Sie könnte ebenfalls direkt auf 1. Kor. 9, 11 Bezug zu nehmen, wo Paulus erklärt, weshalb er von den missionierten Gemeinden gegenseitige Unterstützung verlangt und darüber hinaus die Unterstützung der Apostel: „Wenn wir unter euch Gaben des Geistes säen, ist es dann zu viel verlangt, wenn wir irdische Gaben von euch ernten?“ Das Gebot christlicher Nächstenliebe wird hier zum gegenseitigen Geben und Nehmen: Die Gemeinde erfährt Bestärkung in ihrem Glauben und unterstützt im Gegenzug denjenigen, der den Glauben verbreitet.

Weitere Abzüge dieser Serigrafie befinden sich in der „Mappe für Mama E.A.“ und in den vier Mappen für R. Vogt. Zudem existieren Blätter in der Mappe für Katja sen. und in der Mappe für Eva, die beide auf Seide gedruckt und signiert sind.

zurück