Otto Herbert Hajek nur als Künstler zu bezeichnen, würde dem Menschen Hajek nicht gerecht werden. Denn in seinem Anspruch, Kunst als Basis alles menschlichen Seins zu begreifen, war er weit umfassender tätig.
Hajek wurde 1927 im böhmischen Kaltenbach geboren. Ausgebildet an der Kunstakademie Stuttgart zum Bildhauer, ist sein Werdegang als konsequente Erweiterung seines Repertoires künstlerischer Möglichkeiten zu beschreiben: Er begann seine künstlerische Laufbahn mit den Werkstoffen Holz, Stein und Bronze. In den 1960er Jahren ging er dazu über, Beton als künstlerisches Material einzusetzen und erweiterte seine Kunstwerke in den Raum der Galerie und in den öffentlichen Raum hinein. Damit setzte er sich der öffentlichen Kritik bewusst aus, deren dialogische Komponente er als notwendiges Element zeitgenössischer Kunst in einer demokratischen Gesellschaft ansah.
Künstler waren für Hajek eine »Unruhungsgruppe«, die auf Missstände hinweisen, für Minderheiten eintreten und sich damit für eine gelebte Demokratie engagieren. Konsequent bezog er dieses Verdikt auch auf sich: Mit seinen Stadtraumgestaltungen, die er als Stadtikonographien bezeichnete, wollte er Zeichen setzen für eine menschlichere Gestaltung städtischer Umgebung und dem urbanen Menschen Plätze der Kommunikation und der Auseinandersetzung – nicht zuletzt mit sich selbst – geben.
Demokratie leben hieß für Hajek, sich zu engagieren. In den 1970er Jahren zählte Hajek zum engsten Kreis der um Willy Brandt sich versammelnden Künstler und hatte dessen Ohr gerade im Hinblick auf die Lage der Menschen in den Ostblockstaaten. Insbesondere für die Kanzlerschaft Willy Brandts 1972 machte sich Hajek – wie auch Günther Grass, Klaus Staeck und andere Künstler – stark und unterstützte ihn in der Sozialdemokratischen Wählerinitiative.
Dennoch ließ sich Hajek nicht für die SPD vereinnahmen, sondern verstand sein politisches Engagement als Pflicht eines demokratischen Bürgers. Als eine seiner Aufgaben betrachtete er die Beförderung des Dialogs mit dem durch den Eisernen Vorhang vom Westen getrennten Ostblock. Er regte einen »Nord-Süd-Kulturdialog« an aus der Überzeugung heraus, dass der direkte Weg zum Inneren des Menschen über die Kultur führt. In dieser Funktion als Kulturbotschafter begleitete Hajek in den 1980er Jahren Bundeskanzler Helmut Kohl auf zahlreichen Auslandsreisen.
In seiner Funktion als Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes setzte er sich vehement für eine soziale Grundsicherung künstlerisch Schaffender ein, um ihnen eine finanzielle Basis für ein freies, kreatives Arbeiten zu ermöglichen. Die Künstlersozialversicherung als Ergebnis ist ein bleibendes Vermächtnis seines Demokratieverständnisses.
Hajeks Kunstwerke stehen als demokratische Mahnmale für Toleranz auf der ganzen Welt. Gerade seine weltweit installierten Stadtikonographien – in den Grundfarben gelb, rot und blau gehalten, in geometrischen Grundformen und zeitgenössischen Materialien wie Beton und Stahl ausgeführt – zeugen von einem von der Kunst getragenen Einsatz für eine menschenfreundlichere Stadt. Seine engen Kontakte zu der geistigen und politischen Elite im zunächst geteilten, dann im wiedervereinten Deutschland und seine Bekanntheit setzte er ein, um gehört zu werden und eine Gemeinschaft stiftende Kunst zu schaffen.
Otto Herbert Hajek verstarb 2005 in Stuttgart.
Dr. Chris Gerbing